Im Leben getrennt, im Museum vereint – Eine Erwerbung für die Neue Pinakothek
Die Sammlung britischer Malerei in der Neuen Pinakothek in München ist eine der umfassendsten auf dem europäischen Kontinent. 2022 kann sie – auch durch Mithilfe der Rudolf-August Oetker-Stiftung – einen bedeutenden Neuzugang verzeichnen: das Bildnis des englischen Kaufmanns Thomas Hibbert (1744–1760), gemalt von dem brillanten Porträtisten Thomas Gainsborough (1727–1788). Bekleidet mit einem roten Mantel, unter dem ein weißes Rüschenhemd zu sehen ist, steht der vermögende Hibbert lässig an eine Baumwurzel gelehnt in einer idyllisch-romantischen Landschaft. Der Blick des 41-Jährigen ist zur Seite gerichtet, sein Gesichtsausdruck wirkt freundlich.
Bereits seit 1978 befindet sich Gainsboroughs Porträt von Hibberts Gattin Sophia (1760–1827) als Leihgabe des Münchener Pinakotheks-Vereins in der Sammlung des Museums. Die elegante Dame trägt ein pastellfarbenes Kleid und einen großen Federhut. Wie ihr Mann ist auch sie in der freien Natur dargestellt. Gainsborough wandte diesen Kunstgriff oft an – statt steifer Repräsentanz vermittelt sich so der Eindruck von nobler, eleganter Kultiviertheit und legerer Natürlichkeit der Porträtierten.
Die Hibberts aus dem Norden Englands gelangten im 18. Jahrhundert zu Wohlstand und Einfluss – dank ihrer Handelsbeziehungen in die Karibik und der damit verbundenen Sklaverei, von der sie profitierten. Thomas Hibbert war von 1766 bis 1780 in Kingston auf Jamaika tätig, kehrte dann nach England zurück und bezog einen aufwendig umgestalteten Landsitz in Buckinghamshire. 1784 heiratete er Sophia Boldero, die einer Londoner Bankiersfamilie entstammte. In den beiden Jahren danach schuf Gainsborough diese Auftragswerke. Als die Ehe der Hibberts 1796 geschieden wurde, nahm jeder der beiden Ehepartner sein Porträt mit sich. Nun sind Mrs. und Mr. Hibbert im Museum wieder vereint.
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