Für eine lebendige Kultur
Die Rudolf-August Oetker-Stiftung stärkt Kunst und Kultur mit einem breiten Förderspektrum. Wir möchten zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit unserem kulturellen Erbe beitragen und zugleich Zugänge zur Kunst und Kultur der Gegenwart eröffnen.
Kunst und Kultur begleiten uns durch das Leben. Sie sprechen unsere Sinne und unser Innerstes an. Sie eröffnen neue Perspektiven und wecken Erinnerungen. Kunst und Kultur führen Menschen zusammen. Die Begegnung mit ihnen regt zur Reflexion an, sie berührt und inspiriert uns. Sie konfrontiert uns mit uns selbst und stiftet Identität. Unsere Stiftungsarbeit steht unter dem Motto „Für eine lebendige Kultur“.
Wir verstehen Kunst und Kultur als dynamische Kräfte, die in unsere Gegenwart hineinwirken. Im Zentrum unserer Fördertätigkeit stehen Projekte, die der Bewahrung, Erwerbung, Präsentation und Erforschung unseres historischen Kunst- und Kulturguts gewidmet sind. Es ist ein besonderes Ziel unserer Fördertätigkeit, dieses kulturelle Erbe immer wieder neu aus gegenwärtiger Perspektive zugänglich zu machen und für kommende Generationen lebendig zu halten. Kunstwissenschaftliche Forschung unterstützen wir, weil sie neue Erkenntnisse schafft. Mit unserer Förderung von Projekten zur bildenden zeitgenössischen Kunst und von Kulturveranstaltungen in den Bereichen Musik und Literatur möchten wir zur Stärkung des aktuellen Kunst- und Kulturlebens beitragen. Innovative Bildungs- und Vermittlungsformate liegen uns ebenfalls sehr am Herzen, weil sie Menschen an Kunst und Kultur heranführen, Kreativität fördern und Talente unterstützen.
Wir treten für kulturelle Vielfalt, gegenseitige Achtung und Teilhabe ein. Nachhaltigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen ist ein weiterer zentraler Leitgedanke unser Fördertätigkeit. Häufig engagieren wir uns partnerschaftlich im Schulterschluss mit anderen Stiftungen und Initiativen. Effiziente, vertrauensvolle Kooperationen und ein unbürokratisches Vorgehen prägen unser Vorgehen und Wirken.
Rudolf-August Oetker
Die Stiftung trägt den Namen ihres Gründers, des Bielefelder Unternehmers Rudolf-August Oetker (1916–2007). Mit der Stiftungsgründung 1998 gibt Oetker seinem bereits länger bestehenden Engagement für Kunst, Kultur, Wissenschaft und Denkmalpflege eine institutionelle Form.
Rudolf-August Oetker kam am 20. September 1916 in Bielefeld als Sohn des Unternehmers Dr. Rudolf Oetker (1889–1916) und seiner Frau Ida, geb. Meyer (1891–1944), zur Welt. Bereits fünf Monate vor seiner Geburt fiel sein Vater im Ersten Weltkrieg. Die Mutter heiratete 1919 den Unternehmer Richard Kaselowsky (1888–1944), der das Familienunternehmen so lange führen sollte, bis es Rudolf-August Oetker übernehmen konnte.
Nach dem Abitur rückte Oetker 1936 beim Reichsarbeitsdienst ein und trat danach seine zweijährige Wehrpflicht an. Bereits nach einem Jahr schied er wegen Krankheit aus. 1937 bis 1939 absolvierte er eine Banklehre in Hamburg. Im Juli 1940 trat Oetker seinen Wehrdienst im Heeresverpflegungsamt des Oberkommandos des Heeres an. 1942 meldete er sich zur Waffen-SS und gelangte dort in den Rang eines Untersturmführers.
Sein Stiefvater, seine Mutter und seine zwei Halbschwestern starben beim Bombenangriff auf Bielefeld im September 1944. Von nun sollte er an der Unternehmensspitze stehen. Im Mai 1945 wurde Oetker von der britischen Militärregierung interniert. Im August 1947 bestätigte ihm diese die Entnazifizierung in der Kategorie V als „unbelastet“. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute der Unternehmer das Bielefelder Nahrungsmittelunternehmen zu einem international weit verzweigten Mischkonzern aus und gehörte damit zu den wichtigen Unternehmerpersönlichkeiten der Bundesrepublik. Als begeisterter Kunstsammler trug er eine bedeutende Sammlung mit europäischer Kunst vom Spätmittelalter bis zur Klassischen Moderne zusammen. Rudolf-August Oetker starb 2007 im Alter von 90 Jahren in Hamburg.

© Dr. August Oetker KG, Firmenarchiv
Rudolf-August Oetker (Mitte), Dr. Monika Bachtler (rechts) mit dem Architekten Ludger Sonder-Plassmann vor der Kirche in Bülow bei Güstrow, Mecklenburg-Vorpommern
Der Nähe zum Nationalsozialismus haben sich die Familie Oetker und das Unternehmen in einer wissenschaftlichen Studie gestellt. 2009 beauftragte die Dr. August Oetker KG eine unabhängige Erforschung und transparente Aufarbeitung der Geschichte des Familienunternehmens in der NS-Zeit, die 2013 erschien: Jürgen Finger, Sven Keller, Andreas Wirsching: Dr. Oetker und der Nationalsozialismus, Geschichte eines Familienunternehmens 1933–1945, München 2013.
Die Rudolf-August Oetker-Stiftung begegnet mit Offenheit einem kritischen und differenzierten Diskurs über die NS-Vergangenheit. Dialog und Austausch sind uns wichtig. Die Geschichte ist für uns Mahnung, Verpflichtung und Ansporn zugleich, totalitären Strömungen entgegenzuwirken und sich für eine demokratische und freie Gesellschaft einzusetzen. In diesem Sinne agiert die Rudolf-August Oetker-Stiftung und leistet mit der Förderung von Kunst und Kultur ihren Beitrag.
Wie alles begann
1998 nimmt die Rudolf-August Oetker-Stiftung als rechtsfähige Stiftung mit Sitz in Bielefeld ihre Tätigkeit auf. Seither hat sie mehr als 500 Projekte im gesamten deutschen Bundesgebiet finanziell unterstützt. Im Folgenden zeichnen wir die Geschichte der Stiftung nach und stellen eine Auswahl an geförderten Projekten vor.
Die Gründung
Bereits in der Nachkriegszeit setzt sich Rudolf-August Oetker für den Erhalt und den Wiederaufbau kriegszerstörter Denkmäler ein. Als nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 die Schäden und der Verfall zahlreicher Kunstdenkmäler und Kulturschätze im Osten Deutschlands offenkundig werden, will er sich dort verstärkt engagieren: Er initiiert 1991 – anlässlich seines 75-jährigen Geburtstages und des 100-jährigen Bestehens der Dr. August Oetker KG – einen Spendenaufruf für die Rettung bedrohter Denkmäler in den fünf neuen Bundesländern. Sein Engagement für Kunst und Kultur bündelt Oetker 1998 in der Stiftung. Bis zu seinem Tod im Jahr 2007 steht Rudolf-August Oetker dem Kuratorium als Vorsitzender vor und prägt entscheidend die frühen Stiftungsjahre.
1998 bis 2007
In den frühen Jahren liegt der Hauptakzent auf Sanierungs- und Restaurierungsmaßnahmen in den neuen Bundesländern – mit einem besonderen Schwerpunkt auf kleineren Dorf- und Patronatskirchen. Der Stifter unternimmt viele Reisen in die neuen Bundesländer und schaut sich viele Projekte vor Ort an. Dank der unbürokratischen Zusammenarbeit mit Museen, Denkmalbehörden, Kirchenämtern und dank des Zusammenwirkens mit anderen Stiftungen, insbesondere der 1985 gegründeten Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn, gelingt es in kürzester Zeit, zahlreiche Projekte zu initiieren und abzuschließen und somit bedrohte Baudenkmäler zu retten. Die Stiftung unterstützt Restaurierungen gefährdeten Kulturguts in Museen, bedeutende Museumsankäufe, Ausstellungen sowie wissenschaftliche Publikationen und kulturelle Veranstaltungen. Die große Verbundenheit mit seiner Geburtsstadt Bielefeld lässt Oetker auch hier immer wieder aktiv werden.
Weitere Projekte aus diesem Zeitraum
2007 bis 2014
Die Witwe Rudolf-August Oetkers, Maja Oetker, übernimmt den Vorsitz des Kuratoriums. Die Kunsthistorikerin Dr. Monika Bachtler, die dem Gremium seit 2001 angehört, wird 2008 geschäftsführendes Kuratoriumsmitglied. Das Engagement für Denkmalpflege- und Restaurierungsmaßnahmen von Kirchen- und Schlossbauten, nun auch vermehrt in den alten Bundesländern, bestimmt weiterhin die Stiftungsarbeit. Ankaufs- und Ausstellungsförderungen sowie Förderungen für die Bereiche Musik und Literatur gewinnen an Umfang und Bedeutung ebenso Kooperationen mit anderen Stiftungen – etwa der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG, der Wüstenrot Stiftung, der Kulturstiftung der Länder oder der Ernst von Siemens Kunststiftung – und anderen gemeinnützigen Institutionen.
Zwischen 2014 und 2018 schließen sich 14 Stiftungen auf Initiative der HERMANN REEMTSMA STIFTUNG und der Kulturstiftung der Länder zum Bündnis „Kunst auf Lager“ zusammen. Die Stiftung tritt dem Bündnis bei und leistet ebenfalls Unterstützung bei Projekten zur Erfassung, Pflege und Erforschung bislang wenig beachteter Museumsbestände.
Weitere Projekte aus diesem Zeitraum
2014 bis 2021
Der älteste Sohn des Stifters, Dr. Dr. h. c. August Oetker, übernimmt 2015 den Vorsitz des Kuratoriums. Die Bandbreite der Kulturförderung – von der Denkmalpflege und Restaurierung über Zuwendungen für bedeutende Ankäufe für Museen und Bibliotheken, für Sonderausstellungen, wissenschaftliche Bestandserschließungen, kunsthistorische Publikationen und Kulturveranstaltungen – wird kontinuierlich fortgeführt. Das Engagement im Bereich Denkmalpflege bleibt zentral – angesichts des immensen Sanierungsbedarfs liegt ein Hauptaugenmerk nach wie vor auf Projekten im Osten Deutschlands.
In Vorbereitung des sogenannten „Cranach-Jahrs“ aus Anlass des 500. Geburtstags von Lucas Cranach d. J. (1515–1596) und des Reformationsjubiläums 2017 aus Anlass des 500. Jahrestags von Luthers Thesenanschlag engagiert sich die Stiftung: Sie fördert die Restaurierung des Reformationsaltars von Lucas Cranach in der Stadtkirche St. Marien zu Wittenberg und die Restaurierung von Wappenfenstern in der Schlosskirche zu Wittenberg. Überdies engagiert sie sich regelmäßig für den Musik- und Literaturbereich. Insbesondere in der COVID-19-Pandemie, die dem gesamten Kultur- und Veranstaltungsbetrieb sehr zusetzt, hat dies unterstützende Wirkung.
Weitere Projekte aus diesem Zeitraum
ab 2021
Dr. Alfred Oetker, zweitjüngster Sohn des Stifters und Co-CEO der Oetker Collection, übernimmt im November 2021 nach der Realteilung der Oetker-Unternehmensgruppe den Kuratoriumsvorsitz. 2023 begeht die Stiftung das Jubiläum ihres 25-jährigen Bestehens. Dr. Monika Bachtler geht 2023 in den Ruhestand. Ihr folgt die Kunsthistorikerin Dr. Birgit Sander als Vorstand nach. Im Sommer 2025 wird als zweites Vorstandsmitglied mit Zuständigkeit für den Bereich Finanzen Anna Hoffmann, Executive Director Finance der Oetker Collection, bestellt. Die Stiftung bezieht ihre Niederlassung in Frankfurt. Die bisherige Förderung der Bereiche Denkmalpflege, Restaurierung, Erwerbungen, Ausstellungen und Kunstwissenschaft wird fortgesetzt. Unter dem neuen Kuratorium und Vorstand werden vermehrt auch Projekte zur Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts sowie kulturelle Bildungs- und Vermittlungsformate untersützt, die Kulturerlebnisse ermöglichen, Kreativität fördern und Talente unterstützen.
Weitere Projekte aus diesem Zeitraum
- Kultur erleben – Kreativität fördern
Frankfurt a. M.: Fotografie trifft Musik: Festival „Amazônia”
Mehr erfahren - Kultur erleben – Kreativität fördern
Bremen: Stadt der Träume – Eine Stadtteil-Oper in Osterholz-Tenever
Mehr erfahren
Wir stellen uns vor
Die Stiftung wird gesetzlich durch den Vorstand vertreten. Gemeinsam mit dem Stiftungsteam unterstützen wir Sie gern bei Ihren Anfragen. Das Kuratorium berät und überwacht den Vorstand. In den Kuratoriumssitzungen werden die Entscheidungen über die Förderprojekte gefällt.
Der Vorstand

Dr. Birgit Sander
Das Stiftungsteam

Barbara Bauer M.A.

Samuel Fickinger M.A.
Das Kuratorium

Dr. Alfred Oetker

Ferdinand Oetker


