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Förderbereich: Denkmalpflege

Zum Himmel emporstrebend

Bereits 1170 findet die St. Petrikirche in Lübeck urkundliche Erwähnung. Im Lauf der Jahrhunderte erfolgten mehrfach Um- und Ausbauten. Lübeck erlebte seit dem 14. Jahrhundert ein Bevölkerungswachstum und einen wirtschaftlichen Aufschwung, was zu zahlreichen kirchlichen Zustiftungen und vermehrtem Platzbedarf führte. Die heutige Gestalt des Gebäudes als fünfschiffige gotische Hallenkirche aus Backstein geht wesentlich auf die Ausbauten im 15. Jahrhundert zurück.

Mit dem britischen Bombenangriff auf die Hansestadt Lübeck am Palmsonntag 1942 verliert St. Petri nicht nur ihr Dach und ihren Turmhelm, es brennt auch das gesamte Kircheninnere aus. Die Gewölbe aber halten Stand. Der Wiederaufbau der Kirche nach dem Krieg zieht sich über vier Jahrzehnte hin.

Als Stadtkirche ohne Gemeinde wird St. Petri seit 1987 als ein vielfältig genutzter religiöser und kultureller Veranstaltungs-, Ausstellungs- und Begegnungsort genutzt. Durch die hohen, klar verglasten Fenster fällt von allen Seiten Licht in den weiß getünchten Kirchenraum ein, der Offenheit und Großzügigkeit ausstrahlt. Im Rahmen einer notwendigen Sanierung von Westbau und Turm fördert die Rudolf-August Oetker-Stiftung die restauratorischen Arbeiten am Südpfeiler der Süderkapelle.

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Die Glocken wieder erklingen lassen

Die spätgotische Stadt­kirche St. Nikolai von Zerbst, ehemals die größte Kirche Anhalts, ist ein Bau­denkmal von über­regionaler Bedeutung. Von dem Vorgänger­bau, einer romanischen Basilika aus dem 12. Jahr­hundert, sind nur Reste im westlichen Turm­block erhalten. Um 1430 begann der Neubau einer drei­schiffigen gotischen Hallen­kirche mit sechs Jochen, einem Hallen­umgangs­chor und einer imposanten Turm­fassade im Westen. Der neun­seitig geschlossene, aufwendige Chor war 1446 vollendet, 1486 das Kirchen­schiff. Den Abschluss der mehr als 100-jährigen Bau­zeit bildete die Vollendung der Kirch­turm­spitzen 1533/34. Die Zerbster Stadt­kirche ist ein wichtiges Bauwerk aus der Schule der berühmten Prager Bau­hütte der Parler. Er diente der Stadt als Rats­kirche und offenbart den Reichtum und das Selbst­bewusstsein des in jener Zeit aufstrebenden Bürgertums.  

Im Zweiten Weltkrieg wird St. Nikolai durch einen Luft­angriff schwer zerstört. Der vollständige Abbruch kann verhindert werden. Heute ist die Kirchen­ruine ein Mahnmal gegen den Krieg. Fünf wertvolle Glocken aus dem 14. und 15. Jahr­hundert überdauern die Jahr­hunderte  – darunter auch die größte Glocke Gloriosa aus dem Jahr 1378.  Mit Hilfe der Rudolf-August Oetker-Stiftung wird der Glocken­turm saniert und der Einbau des Glocken­tragwerks realisiert. Das große und bedeutende Glocken­geläut von St. Nikolai erschallt seit 2007 wieder. Die Ruine wird für Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen genutzt. 

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Gedenkräume an die Dichter der Klassik

Die kunstsinnige Großherzogin und Zarentochter Maria Pawlowna (1786–1859) gilt als bedeutende Förderin und Mäzenin der Künste in Weimar. Im Westflügel des Stadtschlosses ließ sie, in unmittelbarer Nähe zu ihren Privaträumen, zum Andenken an die großen vier Dichterheroen der Weimarer Klassik – Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), Friedrich von Schiller (1759–1805), Johann Gottfried von Herder (1744–1803) und Christoph Martin Wieland (1733–1813) – die vier sogenannten Dichterzimmer errichten. Diese reich ausgeschmückten Räume sind prächtige Gesamtkunstwerke, die Innenausstattung, Malerei, Bildhauerei und Kunsthandwerk verbinden.

Sowohl in der Goethegalerie, dem künstlerischen Ausgangspunkt der Raumfolge, als auch im sich anschließenden Wielandzimmer sind Szenen aus Werken der beiden Dichter in prächtigen Wandmalereien dargestellt. Gemeinsam mit dem World Monuments Fund Europe unterstützt die Stiftung die Restaurierung in diesen beiden Räumen. Aufgrund der Vielfalt der angewandten Techniken war eine mehrjährige interdisziplinäre Voruntersuchung notwendig, bevor eine umfassende Restaurierung, die auch das Mobiliar, die Öfen und Kronleuchter der Räume umfasste, beginnen konnte.

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Ein großartiges Zeugnis romanischer Wandmalerei

Die evangelische Kirche St. Marien in Bergen auf Rügen wurde um 1180 erbaut und gilt als das älteste noch erhaltene Bauwerk der Insel. Der von außen schlichte Backsteinbau umfasst eine dreischiffige gotische Staffelhalle mit romanischem Chor und Querhaus sowie einem Westturmriegel. Im Kircheninnern beeindruckt eine unvermutete Bilderflut biblischer Szenen.

Die Wandmalereien wurden vermutlich um 1200 von dänischen Meistern ausgeführt, die von niedersächsischen Vorbildern beeinflusst zu sein scheinen. Das Kreuzrippengewölbe und die Wände im Chor und Querschiff sind von überaus qualitätsvoller romanischer Malerei überzogen. Es handelt sich um das einzige norddeutsche Beispiel einer Totalausmalung dieses Bereiches nach einheitlichem Programm. Mehrere Jahrhunderte war die Malerei unter einer Kalkschicht verborgen und wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt, restauriert und zum Teil auch großflächig ergänzt. Allerdings gefährden Klima- und Umweltbelastungen die Substanz der Malerei.

Die Rudolf-August Oetker-Stiftung, das Land Mecklenburg-Vorpommern und die Bundesregierung unterstützen die Restaurierung im Chor und Nordhaus.

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Ólafur Elíasson: Neugestaltung der Ostfenster des Doms St. Nikolai

2024 erhält der Dom St. Nikolai zu Greifswald im Ostchor neue farbige Glasfenster nach Entwurf des isländisch-dänischen Künstlers Ólafur Elíasson (*1967). Der chromatische Farb­verlauf der geometrischen Fenster­muster nimmt Bezug auf den Romantiker Caspar David Friedrich (1774–1840), dessen Geburts­stadt Greifswald ist. Durch zusätzliche Spiegel­installationen im Außen- und Innenraum wird das von Osten einfallende Licht gelenkt und multipliziert. Der Kircheninnen­raum wird im Zusammen­spiel mit den Veränderungen unterschiedlicher Tages- und Jahres­zeiten und Lichtverhältnissen im Außen atmosphärisch immer wieder neu erfahrbar.

Bei der Gestaltung des chromatischen Verlaufs des farbigen Blei­verglasung orientiert sich der Künstler an dem Gemälde „Huttens Grab” (1823/24) von Caspar David Friedrich. Die Farbübergänge verlaufen von Rötlich zu Gelb und werden zum oberen Fenster­rand bläulich transparent. Das dynamische geometrische Muster der Fenster aus Rauten, Quadraten und Kreisen spielt auf einen Prozess potenziell endloser Veränderung an. Durch das sich wandelnde einfallende Licht, die Transparenz und Abstraktion entsteht ein Eindruck von Unend­lichkeit, Komplexität und Wandel. Die neuen Erfahrungen von Wahrnehmung haben das Potential, unser Hier und Jetzt zu übersteigen.

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Ein altes Kloster wird wieder lebendig

Für das Zisterzienserinnenkloster in Mühlberg (Elbe) entstand im 13. und durch Erweiterungen im 15. Jahrhundert eine Klosterkirche, die heute zu den wertvollsten Vertretern der Backsteingotik in Brandenburg zählt. Nachdem das Kloster 1542 im Zuge der Reformation aufgelöst wurde, wechselte es  mehrfach seine Besitzer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfolgte u. a. die Ausmalung mit neogotischen Deckenmalereien nach Entwürfen August Oetkens (1868–1951), Professor für Ornamentzeichnen an der Technischen Universität Berlin. Mit dem Einzug der Ordensgemeinschaft der Claretiner im Jahr 2000 erhält das Kloster schließlich neues Leben und wird nach und nach saniert. Die Rudolf-August Oetker-Stiftung unterstützt dabei 2019 bis 2020 die Restaurierung des Innenraums der Klosterkirche.

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Ruhige Monumentalität und prächtige Malereien

Die Kirche St. Marien beeindruckt durch ihre über die Hansestadt Stralsund aufragenden massiven Bauformen. Der 1298 erstmals erwähnte Kirchenbau aus Backstein ist ein eindrückliches Beispiel für die norddeutsche Spätgotik. Durch den Verzicht auf architektonischen Dekor und der Verlagerung des Strebesystems in den Innenraum wirkt die Basilika von außen schlicht und zugleich monumental. Die architektonische Ruhe setzt sich auch im Innenraum fort. Dort wird der Betrachter allerdings von den farbig gefassten Seitenschiffen mit prächtigen Malereien überrascht. Dargestellt sind Heilige und Apostel, Mönche und Bischöfe, dazu Engel, Ranken und Ornamente. Diese in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts ausgeführten Malereien werden mit Hilfe der Rudolf-August Oetker-Stiftung und anderen Fördermittelgebern umfassend restauriert.

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Eine Ordenskapelle der besonderen Art

Bei der Templerkapelle „Unser Lieben Frauen“ in Mücheln, einem Ortsteil der Stadt Wettin-Löbejün im Saalekreis, handelt es sich um eine wahrscheinlich zwischen 1260 und 1280 errichtete Kapelle des Templer­ordens. Sie ist heute eines der wenigen in Deutschland noch existierenden baulichen Zeugnisse dieses frühesten geistlichen Ritter­ordens, der von 1118 bis 1312 bestand. Dem Bau der Kapelle ging vermutlich die Schenkung des Gutes Mücheln an die Templer durch die Grafen von Brehna-Wettin voraus, die diesem Orden sehr verbunden waren.

Die Saalkirche im früh­gotischen Stil ist ohne Turm. Das durch­gehend rippen­gewölbte, zwei­jochige Bauwerk wird durch Strebe­pfeiler aus Sandsteinquadern gegliedert, die Wand­flächen sind aus Bruch­steinen gemauert. Die sieben großen Fenster sind mit Dreipass-Maßwerk verziert. Das Sattel­dach besitzt an seinen Enden Back­stein­giebel. In der Chor­wand ist ein aus der Bauzeit stammendes Wasser­becken eingelassen. Über einen Zugang an der Südseite unter der Empore gelangt man in die einschiffige Kirche. Ein weiterer Zugang befindet sich im Ostjoch. An der West­wand liegt ein Durchgang zu einer steinernen Wendel­treppe, die zur Empore und zum Dach­boden führt. Es ist nicht zuletzt einer profanen Nutzung der Kapelle als Speicher und Scheune ab dem ausgehenden 16. Jahrhundert zu verdanken, dass sie in ihrer ursprünglichen Architektur erhalten blieb. Mit Beteiligung der Rudolf-August Oetker-Stiftung kann das charaktervolle Mauer­werk dieses besonderen Baus saniert werden.

 

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Ein Kleinod in der Uckermark

Von außen ist die Dorfkirche von Holzendorf eher schlicht, im Inneren aber entfaltet die Patronats­kirche eine besondere Pracht. Bis in die zweite Hälfte des 13. Jahr­hunderts reichen die Ursprünge der Feldstein­kirche zurück. Im frühen 16. Jahr­hundert erfolgte die Auf­stellung eines Schnitz­altars an der Ostwand. Umfassende Veränderungen gab es dann unter dem Patronats­herrn Otto Christoff von Raven (1704–1749) 1743 anlässlich seiner Heirat mit Charlotte Luise von Klützow (1722–1758): Rund­bogen­fenster wurden eingesetzt ebenso südliche Strebe­pfeiler aus Backstein. Vor allem aber erhielt der Raum eine prächtig bemalte Holz­tonnen­decke in edlen Blau-Grau-Tönen. Felder mit schwungvollen Akanthus­ranken und mit umkränzten Kartuschen mit Bibel­versen ziehen den Blick auf sich. Akanthus­ranken schmücken auch die Brüstungs­felder der Orgel­empore, deren Mitte von den Wappen des Hoch­zeits­paares von Raven und Klützow dominiert wird. Die Rudolf-August Oetker-Stiftung unterstützt die Sanierung des Dachs und der Holzdecke.

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Ein Meisterwerk der Spätgotik

Im Zentrum des Weinanbaugebiets Saale-Unstrut liegt die Stadt Freyburg. Die Stadtkirche St. Marien wurde um 1220 als romanische Basilika unter Landgraf Ludwig IV. von Thüringen (1200–1227) errichtet und Ende des 15. Jahrhunderts zu einer Hallenkirche umgebaut.

Romanische und gotische Bauelemente durchdringen einander. In die Zeit der Umbauten fällt die Aufstellung eines neuen prächtigen Hochaltars, der zu den qualitätvollsten Arbeiten jener Zeit in der Region zählt. Seine Schnitzarbeiten werden Hanns Gottwald von Lohr (tätig 1503–1543), einem Schüler und Mitarbeiter Tilmann Riemenschneiders (um 1460–1531) in Würzburg zugeschrieben. Der Mittelschrein des spätgotischen Meisterwerks schildert die Krönung der Gottesmutter Maria, begleitet von Engeln und einem Engelschor. Das üppige Astwerkgesprenge mit Skulpturen der Anna selbdritt, des Schmerzensmannes sowie vier weiteren Heiligen ragt hoch in das Netzwerkgewölbe herauf. Auf den inneren Klappflügelseiten des Altars sind die Verkündigung, Heimsuchung und Geburt Christi und der Tod der Maria zu sehen. Die Flügelrückseiten und die Predella wurden vermutlich erst um 1600 mit gemalten Darstellungen der vier Evangelisten und des Abendmahls versehen.

Die Rudolf-August Oetker-Stiftung engagiert sich bei der Restaurierung des Altars und der Sanierung des Kirchengebäudes im Zeitraum 2001 bis 2006.

 

86-01_RAO-Stiftung_Freyburg_Denkmalpflege_02

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